EU - Studie bei akuter Schizophrenie innerhalb der
ersten 3 Jahre nach Diagnosestellung - aktiv

Nationale Studie (Deutschland) zur Erhaltungstherapie
bei remittierter Schizophrenie innerhalb der
ersten 4 Jahre nach Diagnosestellung - aktiv

Neue Therapieansätze – Cannabidiol

Die Behandlung von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis ist weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass nicht für alle Patienten eine zufriedenstellende Wirksamkeit erzielt wird und die Medikamente ein relativ deutliches Profil unerwünschter Wirkungen zeigen. Daher ist die Entwicklung wirksamerer oder zumindest besser verträglicher therapeutischer Alternativen wünschenswert.

Basierend auf den Ergebnissen zur Rolle des endogenen Cannabinoidsystems bei schizophrenen Psychosen haben wir in den vergangenen Jahren eine erste kontrollierte, doppel-blinde Untersuchung zur Wirksamkeit von Cannabidiol, einem pflanzlich vorkommenden Cannabinoid bei akuten schizophrenen Psychosen sowie eine Placebo-kontrollierte doppel-blinde Untersuchung bei erstmanifesten Patienten mit akuter Schizophrenie durchgeführt. In beiden Untersuchungen zeigte Cannabidiol eine signifikante Wirksamkeit auf psychotische Symptome im Akutstadium der Erkrankung bei einem gegenüber der aktiven Vergleichsmedikation signifikant überlegenen Profil unerwünschter Wirkungen, das mit dem von Placebo vergleichbar ist.

Obwohl diese ersten Ergebnisse optimistisch stimmen, ist die aktuelle Datenlage noch nicht geeignet, Cannabidiol als gesichertes Antipsychotikum zu bezeichnen. Diesbezüglich sind weitere, wesentlich grösser angelegte klinische Arzneimittelprüfungen notwendig.

Aktuell führen wir eine multizentrische, von der EU-Kommission geförderte, aktiv- und placebo-kontrollierte klinische Arzneimittelprüfung bei Patienten mit akuter Schizophrenie innerhalb der ersten drei Erkrankungsjahre (Studienakronym CBD-FEP) durch. Diese Untersuchung findet an fünf deutschen und einem dänischen Studienzentrum statt.

Darüber hinaus werden wir im Frühjahr 2016 eine Langzeitstudie (Studienakronym CBD-ESPRIT) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Untersuchung der Wirksamkeit von Cannabidiol in der Rückfallverhütung bei frühen schizophrenen Psychosen (innerhalb der ersten drei Erkrankungsjahre) nach Rückbildung der akuten Symptome durchführen.

Sobald weitere Ergebnisse zur Wirksamkeit von Cannabidiol bei diesen Erkrankungen vorliegen, werden wir Sie weiter informieren.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir in erster Linie aufgrund der unzureichenden Datenlage für eine klinische Anwendung von Cannabidiol bei psychischen Erkrankungen keine Unterstützung bei selbstständig initiierten "Therapieversuchen" mit Cannabidiol geben. Wir halten solche "Therapieversuche" für deutlich verfrüht, insbesondere bei fehlenden längerfristig angelegten Untersuchungen. Entsprechende "Empfehlungen" von dritter Seite unterstützen wir ausdrücklich nicht! Insbesondere möchten wir darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der uns bekannten Formen von Cannabidiol, die z. B. im Internet angeboten werden, die hohen Vorgaben an arzneiliche Wirkstoffe nicht erfüllen.

Darüber hinaus sind bei einer Vielzahl von Patienten, die sich direkt oder über ihre Angehörigen an uns wenden, bereits geprüfte und zugelassene arzneitherapeutische Optionen noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

 

Förderung:
Diese Untersuchungen werden vom Stanley Medical Research Institute der Theodore and Vada Stanley Foundation, USA (Grant IDs 00-093, 05T-678 und 08TGF-1257 an FML), dem Köln Fortune Programm, der EU-Kommission (Projektverbund OPTiMiSE) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Projektverbund ESPRIT) unterstützt.

 

Ausgewählte Publikationen:
F. M. Leweke, D. Piomelli, F. Pahlisch, D. Muhl, C. W. Gerth, C. Hoyer, J. Klosterkötter, M. Hellmich, D. Koethe: Cannabidiol enhances anandamide signalling and alleviates psychotic symptoms in schizophrenia. Transl Psychiatry (2012) 2, e94.

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